Gott gibt Glück, aber der Mensch muss es ergreifen. Adolph Kolping
Gott gibt Glück,aber der Mensch muss es ergreifen. Adolph Kolping 

Als vor 70 Jahren ein Flugzeug über Padberg abgeschossen wurde

 

 

Padberg. In der Vorweihnachtszeit des Jahres 1944, also im letzten Winter des II. Weltkrieges, war die Not und die Sorge der Bürgerinnen und Bürger um Hab und Gut sowie ums nackte Überleben auch in unserer ländlichen Region spürbar. Der Krieg war allgegenwärtig. Ein Kriegs-ereignis jedoch blieb den Padbergern bis heute in Erinnerung. Vor 70 Jahren, am Montag, dem 11.12.1944 mittags gegen 13 Uhr, gab es einen unwahrscheinlichen Knall am Himmel über Padberg. Heinrich Becker, der Vater des heutigen Padberger Ortsheimatpflegers Norbert Becker, schickte seine Kinder – darunter auch Sohn Norbert – in den Keller des Hauses um bomben-sicher zu sein. Erst dachte man an den Abwurf und eine ferne Detonation von einer Bombe. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass ein amerikanisches Kampflugzeug von deutschen Jägern abgeschossen wurde.

 

 

Das Foto zeigt die Reste des abgeschossenen amerikanischen Jägers

auf einer Wiese bei Padberg am 11.12.1944.

 

 

Norbert Becker recherchierte nach dem Krieg über Jahre zusammen mit Horst Münter (aus Dortmund-Wambel), der Padbergerin Frau Stuhldreier und dem Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ in den Archiven die Einzelheiten der Geschehnisse im Dezember 1944. Mehrere Meldungen erhielt man von der „Dulag-Luft“ in Wetzlar. Die deutschen Tagesprotokolle lassen ziemlich genaue Einblicke zu. Weitere, auf Englisch verfasste Berichte von amerikanischer Seite vervollständigen das Bild. Dort ist u. a. zu lesen: „Am 11.12. flogen wir einen Bogen in der Gegend von Frankfurt. Nach dem wir die Zielbestimmung gefunden hatten, warfen wir die Bomben ab.“ … „Wir waren auf dem Heimweg als mehrere Schüsse mitten in unseren Flug sich lärmend regten.“ Der einmo-torige Begleitjäger amerikanischer Bomber von Capt. Harry E. Larsen, ausgestattet mit 2 Maschinengewehren mit 12,7 mm Kaliber, hatte Treffer gefangen. Der amerikanische Jäger war als Begleitschutz für Bomber mit dem Ziel „Giessen“ in Wormingford in England gestartet. Sie befanden sich aber bereits auf dem Rückflug. Das amerikanische Flugzeug der 55. Figther Group der 8. Air Force – es war eine „Mustang P-51D-10-NA“ von North American (Hersteller, Spitzname „Harvest Moon“) – wurde von deutschen Jägern, so Zeitzeugen im Raum „Beringhof“ in der Nähe von Padberg in die Zange genommen und angeschossen. Auch der Propeller der Maschine wurde getroffen und fiel vom amerikanischen Flieger ab. Später fand man ihn in der Nähe des Padberger Schlosses. Das Flugzeug zog Rauch hinter sich her. Es brannte aber nicht in der Luft, erst beim Einschlag auf die Erde fing es Feuer. Norbert Becker ist sich sicher, dass der amerikanische Pilot einen Aufschlag in der Padberger Ortschaft vermeiden wollte, da er den Flieger vom Ort weglenkte. Auch eine Notlandung in den Wiesen außerhalb des Ortes sollte versucht werden. Die Maschine stürzte letztendlich in der Wiese des Bauers Siebers am Kalkofen neben einem Viehschuppen ab. Der Pilot wagte noch den Absprung aus der Maschine. Er konnte aber nur noch tot geborgen werden. Zeitzeugen berichten, dass der Pilot neben den Flugzeug-Trümmern lag. Die Haare standen ihm zu Berge. Die deutsche Fliegerhorstkomman-dantur „A(o) 7/VI“ vermerkte am 13.12.1944 in Paderborn die beschlagnahmten Gegenstände des toten Piloten Larsen. Im Verzeichnis stehen 2 Erkennungsmarken mit Kette und der Nummer 0-74 33 47 T 42 – 43, vier angebrochene Kaugummi, 1 Flugzeugführer Abzeichen, 1 Talismann, einen Damenring, 1 beschädigte Armbanduhr, Blätter mit Notizen und 1 Päckchen mit Verbandszeug.

 

 

Verzeichnis der beschlagnahmten Gegenstände

der deutschen Fliegerhorstkommandantur „A(o) 7/VI“

in Paderborn

 

Die Bevölkerung, die sich die abgestürzte Maschine anschauen wollte, blieb in einem sicheren Abstand zum Wrack, da sie Angst hatte, dass evtl. die Munition an Board noch explodieren könnte. Ein Padberger schob am Wrack der Maschine mit seinem Karabiner Wache, um die Trümmerteile zu sichern. Der tote Pilot wurde später in Zeltplanen eingewickelt und im Padberger Spritzenhaus aufgebahrt. Am 13.12.1944 setzten ihn Zwangsarbeiter in der nordwestlichen Reihe neben dem Padberger Soldat Heinz Schlömer auf dem örtlichen Friedhof bei. Nach dem Krieg ließ die Militärverwaltung den Piloten exhumieren. Padbergs Bürgermeister und der Orts-Gendarm (Polizist) wurden angewiesen, dass der amerikanische Pilot eine ordentliche Bestattung in einem Holzsarg bekam. Eine zweite Exhumierung folgte: Seine endgültige Ruhestätte fand der Pilot Harry Emmett Larsen im Jahr 1949 auf dem amerika-nischen Soldatenfriedhof „Ardennes“, südwestlich von Lüttich/Belgien, in der Grablage des Feldes „D“ in Reihe „1“ Grab-Nr. „22“.

 

 

Das Grab des getöteten Piloten Harry Emmet Larsen,

der in Padberg ums Leben kam.

 

 

In Padberg erinnert noch heute ein Teil eines Motorblocks an den Vorfall des 11.12.1944. Norbert Becker hat sich mit den Padbergern dafür eingesetzt, dass ein Gedenkstein mit Bronzetafel neben dem Motorblock aufgestellt wurde.

Dort ist zu lesen:

 

„Pax zum Gedenken an den im Dez.1944

abgestürzten alliierten Jagdflieger

und in Mahnender Erinnerung

an alle sinnlosen Opfer des 2. Weltkrieges.“

 

 

 

Ein Teil eines Motorblocks der amerikanischen Mustang Maschine,

der heute als Mahnmal in Padberg steht.

 

 

Einige Protokolle der DULAG-Luft, Wetzlar, zum Vorfall am 11.12.1944 in Padberg

sowie aus dem Archiv von Horst Münter und des Regierungspräsidenten in Arnsberg.